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Tschernobyl - 20 Jahre nach der Havarie - Fakten und Zusammenhänge |
Presseaussendung vom 28.2.2006
Tschernobyl - 20 Jahre nach der Havarie - Fakten und Zusammenhänge
Die Vereinigung Südböhmische Mütter veranstaltet heute in Zusammenarbeit mit der Senatorin Jitka Seitlova, mit der Vereinigung Grüner Kreis und mit der Heinrich-Böll-Stiftung das Seminar "Tschernobyl - 20 jahre nach der Havarie-Fakten und Zusammehänge" . Das Seminar wird in den Räumlichkeiten des Senates der Tschechischen Republik stattfinden.
Referate werden beim Seminar Frau Christine Frenzel aus dem Münchner Otto-Hug-Strahleninstitut, MUDr. Miroslav Peterka, CSc., aus dem Institut der experimentalen medizin der Wissenschaftsakademie, der Fotograf Vaclav Vasku und die Vicevorsitzende der Grünepartei Dana Kuchtova vortragen, die eine langjährige Mitgliederin der Vereinigung Südböhmische Mütter ist. Das seminar wird Ing. Eva Tylova vom Grünen kreis moderieren. Nach dem Seminar wird im Senat die Fotoausstellung von Vaclav Vasku "Tschernobyl - Situation nach 20 Jahren" präsentiert, für die der Autor den zweiten Preis im Wettbewerb Czech Press Photo 2005 erhalten hat.
Das Seminar ist eine Erinnerung an den 20-Jahrestag der Atomhavarie im Atomkraftwerk Tschernobyl. Die Südböhmischen Mütter wollen die Öffentlichkeit über die Auswirkungen der Havarieund über die jetzige Situation in den betroffenen Gebieten informieren. Für die Journalisten und Öffentlichkeit steht ein Sammelband der Dokumente (auch auf CD) aus diesem Seminar zur Verfügung.
Die Teilnehmer am Seminar (eingeladen wurden Studenten der Mittel,- und Hochschulen, Vertreter der farmazeutischen Firmen, NGOs und Vertreter der Selbstverwaltung und der Staatsverwaltung) werden fachliche Informationen und Recherchen erhalten, die im Widerspruch mit den Tendenzen stehen, die sich bemühen, die Auswirkungen der Atomhavarie in Tschernobyl zu erleichtern oder herabzusetzen. Deswegen haben wir Fachleute eingeladen, die die jetzige Situation in Weißrussland am besten kennen, und Ärzte aus der Tschechischen Republik.
Das Otto-Hug-Strahleninstitut beschäftigt sich schon seit 16 Jahren mit der medizinischen und humanitären Hilfe in den betroffenen Gebieten Weißrussland.
Christine Frenzel aus diesem Institut sagt: "In Folge der Tschernobyler Havarie ist es möglich, bei den Bewohner des Gomel-Gebietes einen Anstieg des Schilddrüsenkrebses (vor allem bei Kindern), anderer Geschwulstarten, die Erhöhung der Leukemiefälle und anderer gutartiger Erkrankungen ( Herz,- und Kreislaufsystemerkrankungen, Augenerkrankungen) zu merken." Die Fachleute aus dem Otto-Hug-Strahleninstitut haben auch in Zusammenarbeit mit tschechischen Fachleuten eine Studie der Schilddrüsenkrebsfälle in der Tschechischen Republik in den Jahren 1976-1999 je nach Alter und Geschlecht ausgearbeitet. Die Autoren der Studien sind aus dem tschechischen Register der Geschwulsterkrankungen der Tschechischen Republik ausgegangen. In der Tschechischen Republik gab es auch vor der Havarie in Tschernobyl ein starker jährlicher Anstieg des Schilddrüsenkrebses, der größte Anstieg wurde jedoch im Jahre 1990 vermerkt - vier Jahre nach der Havarie (von 2% auf 4%). Dieser Anstieg (2,6%) ist geschlechtlich spezifisch - Frauen wurden durch den Anstieg des Schilddrüsenkrebses fast dreifach mehr betroffen als Männer.
MUDr. Miroslav Peterka CSc. von der Teratologieabteilung des Institutes für experimentale Medizin der Wissenschaftakademie konstatiert: "Vor zwei Jahren haben wir in den Medien die Hypothese "Zusammenhang zwischen der Havarie des Tschernobyler Reaktors und der Sex-Ratio-Veränderung bei tschechischen Neugeborenen im November 1986" veröffentlicht. Heute können wir diese Hypothese je nach den einzelnen Regionen der Tschechischen Republik mit Rücksicht auf die Regenfälle im Zeitraum der Bewegung der radioaktiven Wolke über unser Gebiet präzisieren."
Dana Kuchtova sagt: "Die Auswirkungen der Havarie sind schwerwiegend. man kann sie auf dem Gebiet Weißrusslands, der Ukraine, Russlands, aber auch in weiteren Europaländern beobachten. Trotzdem ist in den letzten 20 Jahren die Tendenz evident, die Folgen der Havarie zu bagatellisieren. Das ist in der sozialisitschen Tschechoslowakei geschehen, aber schon seit dem Jahr 1986 auch bei der Internationalen Agentur für Atomenergie und beim Wissenschaftsausschuß der OVN für die Auswirkungen der Atomstrahlung. Die Bürger und Politiker sollten endlich Ernst der Lage begreifen, sich von den Erfahrungen 20 Jahre nach der Havarie zu belehren und anfangen zu handeln. Technisches Versagen ist nämlich immer möglich, versagen kann auch der Mensch, eine neue Drohung stellt auch eine gezielte terroristische Attacke dar. Die politische Weisheit sollte zur Beseitigung der Drohung führen, die durch die Atomkraftwerke verursacht wird.
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